Regina Lange, Kunstwissenschaftlerin und Galeristin, Meilen/Zürich

Kurztext

René Gubelmann ist als Schlagzeuger – lange in der Radio DRS Bigband – ein Begriff. Begreiflich auf ganz eigene Weise wird Rhythmus in seinen Bildern, die auf farbigen Umsetzungen von Notationen beruhen und überraschend eigenartige, räumliche Formen beherbergen, von denen ausgehend er auch Skulpturen schafft.

Pressetext

Man kann über die Bilder von René Gubelmann nur sprechen, wenn man diese Grundvoraussetzung im Auge behält: Er ist eine Doppelbegabung. Er spielt rhythmisches Schlagzeug und melodisches Xylophon und er ist Maler. Bereits seit seinen beruflichen Anfängen interessieren ihn Verbindungen zwischen Malerei und Musik. Aber seine Bilder sind keine Umsetzung von Klängen, von Melodien oder Kompositionen, wie sie etwa Robert Strübin geschaffen hat, der jedem Ton einen bestimmten Farbwert zuordnete. Als Schlagzeuger beginnt er mit der klaren Definition des einzelnen Schlags, das heisst ganz streng, mit der einzelnen Form, und der Bewegung und Ausdehnung derselben in der Zeit. Jeder Schlag hat eine bestimmte Dauer, bevor der nächste erfolgt, er hat eine Richtung (vom Spielenden aus gesehen, nämlich mit rechts oder mit links gespielt). René Gubelmanns Bilder sind zunächst ganz einfach: Notationen der jeweils mit rechter und linker Hand gespielten Schläge – und man kann sie nachspielen. Doch die abgespielte Notation zeigt einerseits nicht den Reichtum, der sich klanglich aus der Variation und Improvisation über dem rhythmischen Thema ergäbe - und: Die Notate als Bilder sind ihrerseits visuell reicher als man zunächst vermuten möchte. Denn es entstehen im Bild räumliche und plastische Wirkungen, die rein visueller Natur sind, zu denen man gar keine Entsprechung im Klangbereich finden kann. Diese Wirkungen entfalten sich durch die gewählten Farben oder die Formkomplexe, die das Auge des Betrachters aus den einzelnen Notenformen – links- oder rechtsgeneigte Rhomben, je nach Tondauer von unterschiedlicher Grösse, – konstruiert. In gewisser Weise wird der Bildbetrachter vor den Arbeiten von René Gubelmann zu demjenigen, der sie mit den Augen 'spielt', da er sie immer wieder zunächst in ihrer Struktur, sodann in ihrer Gesamtwirkung untersucht, abtastet, Element für Element nachvollzieht und wieder umschwenkt zur Wahrnehmung des Ganzen. Er wird spüren, dass er auf ein Bild sowohl zeitlich gedehnt durch schrittweises 'Ablesen' als auch augenblicklich, durch das statische Erfassen des Ganzen reagiert. Die spezifischen Eigenarten, die Parallelen und die Berührungspunkte von Sehen und Hören sind ins Licht gestellt: Sehen Sie also, um zu Hören. Hören Sie, um zu Sehen.