2010.09.12 - Limmattal Der Sonntag - Christian Murer - René Gubelmann zeigt im Atelier neue Werke

Künstler René Gubelmann zeigt in seinem Atelier in Dietikon rund fünfzig vorwiegend neue Werke

Am langen Tisch in René Gubelmanns hellem Atelier an der Vorstadtstrasse sitzt das Nachbarsmädchen Dalia vor einem weissen Blatt Papier. Sie verlangt Farbstifte von Gubelmanns Ehefrau Ruth. Eifrig kopiert sie ein Bild des ausstellenden Künstlers. "Seine Bilder gefallen mir richtig gut, weil sie so einfach und farbig sind", sagt die Zehnjährige. Dann beugt sie sich erneut über ihr Blatt und zeichnet im 'Gubelmann-Stil'. 

Inzwischen ist es halb sechs Uhr geworden. Immer mehr Besucherinnen und Besucher stehen vor den Bildern, Stelen und Würfeln, die da unter anderem heissen 'Akzente', 'Disco Cube', 'Dynamik', 'Quito' oder 'Rap'. Eine Gruppe Kinder bewundert in erster Linie die dreidimensionalen Werke, weil sie zum Greifen so nah sind. Mit ihren Eltern bestaunen sie die bunten Farben und Formen wie Rauten, Quadrate, Parallelogramme, Trapeze und Drachenvierecke. 

Mit klaren geometrischen Formen und mittels der verschiedenen Regenbogenfarben entschlüsselt der Künstler Groove und Beat des Rock, des Jazz, der lateinamerikanischen und afrikanischen Tänze und verleiht ihnen lautmalerisch Ausdruck und Gestalt. Das meisterhafte Verweben von Formen und Farben macht die strenge Grundordnung und Struktur der Musik sichtbar. "Einen Viervierteltakt stelle ich zum Beispiel mit vier Vierecken dar, die entsprechend der Hand, die den Trommelstab führt, nach rechts oder nach links schräg ausgerichtet sind", erklärt Gubelmann. So entstehen Bilder, die tönend schweigen, still atmen und lautlos mitreissen. "Diese schöpferischen Kunstsysteme sollen den Herzschlag der Musik symbolisieren und spiegeln - gleichermassen ihren Rhythmus", sagt der 63-Jährige. Im Atelier des Künstlers steht selbstverständlich auch das Schlagzeug. Es hat nach wie vor einen Platz in seinem Künstlerleben. Allerdings: "Mit zunehmendem Alter ist bei mir das Malen erneut in den Vordergrund gerückt", bekennt der Träger der Auszeichnung 'Limmattaler des Jahres 2007'. So seien, ausser den ganz grossen, die meisten ausgestellten Werke aus 'Acryl auf Leinwand' in diesem Jahr entstanden. 

Dieter und Irène Fett aus Dietikon sind von Gubelmanns Werken hell begeistert. "alles so farbig, frisch und fröhlich", freut sich der pensionierte Architekt. Und die Künstlerin Gaby Hübscher aus Dietikon meint: "Ich finde es faszinierend, was René Gubelmann macht. Ich könnte das nie, weil meine Bilder eher vom Bauch her entstehen. Doch ich geniesse seine farbenfrohe Kunst total." Da müsse man schon Mathematiker oder eben Musiker sein, um solche Bilder mit dem Kopf zu komponieren, ergänzt die Malerin. Und Hübscher weiter: "Ich habe einen Heidenrespekt von seinen Arbeiten, weil man es drehen und wenden kann, wie man will - es stimmt einfach immer alles."

Text bearbeitet und gekürzt; RG