2005.06.09 - Limmattaler Zeitung LiZ - Helen Busslinger - René Gubelmann im Gespräch mit Daniel Winter

Limmattalk: René Gubelmann im Gespräch mit Daniel Winter, Dienstag, 7. Juni 2005 im Stadtkeller Dietikon

Der Dietiker René Gubelmann ist Kunstmaler, nein Musiker, nein beides. Ist es möglich, Rhythmus zu malen? Ist es möglich, Bilder zu trommeln? Für René Gubelmann schon. Gubelmann (1947) besuchte in den Jahren 1963 bis 1967 in Zürich die Kunstgewerbeschule und das Konservatorium. Er spielte danach in verschiedenen Orchestern, darunter in der legendären RadioDRS Big Band und stellt regelmässig Bilder aus. Mit klaren geometrischen Formen und mittels der verschiedenen Regenbogenfarben entschlüsselt der Künstler Groove und Beat des Rock, des Jazz, der lateinamerikanischen und afrikanischen Tänze und verleiht ihnen lautmalerisch Ausdruck und Gestalt.

Der Erfinder der trommelnden Bilder - wie der Musiker und Maler René Gubelmann im Stadtkeller für Staunen sorgte.

Im gut besetzten Stadtkeller berichtet René Gubelmann im Rahmen des Limmattalks von seinem faszinierenden Leben als Maler und Musiker. Während andere Kinder die Kletterstange hinaufgeklettert seien oder sich am Boden gebalgt hätten, habe er Bilder im Kopf gehabt, erinnerte sich René Gubelmann an seine Jugendzeit. Musik und Malen hätten ihn stets gleichzeitig interessiert. Als er zum ersten Mal eine Kunstkarte vom Maler Piet Mondrian gesehen habe, sei sie ihm nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Auf seinen Ausbildungsweg befragt, meinte er: "Es war wohl folgerichtig, dass ich am Konservatorium die Ausbildung für klassisches Schlagzeug absolviert und an der Kunstgewerbeschule die Malfachklasse besucht habe." "Es war mein grosser Wunsch, in einer Big Band Schlagzeug zu spielen – Soul, Rock und Bossa Nova", bekannte Gubelmann beim Gespräch mit LT-Chefredaktor Daniel Winter beim Limmattalk vom Dienstagabend im Dietiker Stadtkeller weiter und berichtete, dass ihm in den Sechzigerjahren eine Anfrage einer ungarischen Band, die in Zürich gastierte, gerade recht gekommen sei. In einer berühmten Band als Schlagzeuger in Budapest, mit Auftritten in Hallen mit Tausenden von Zuhörenden, das seien für ihn musikalisch erfolgreiche Zeiten gewesen.

Demnächst ein Auftritt im 'Moods'

"Und die Rückkehr in die Schweiz?", fragte Winter. Das sei "ein Kulturschock" gewesen, erwiderte Gubelmann. Habe er Bekannten von seinen Budapester Highlights erzählt, sei er auf ungläubige Gesichter gestossen. Doch glücklicherweise habe sich das Blatt gewendet, wie Gubelmann strahlend berichtet: "Bald wurde ich von Hans Moeckel in die ehemalige DRS-Big-Band geholt, mit der ich im In- und Ausland auf Tournee war." Weiter verwies Winter auf die Engagements Gubelmanns in der Tonhalle und im Opernhaus sowie auf die Auftritte im Fernsehen als Vibraphonist. "Ich spiele derzeit in einigen Kleinformationen Schlagzeug, etwa demnächst im 'Moods' in Zürich. "Ich mag es, als Freischaffender tätig zu sein, denn ich will mich nicht kommerziellen Zwängen unterwerfen", so Gubelmann zu seinen momentan laufenden Projekten. Trotz vielfältiger musikalischer Tätigkeiten sei ihm das Malen nie aus dem Sinn gegangen, berichtete Gubelmann. "Ich suchte lange und fand einen Weg, meine zwei Leidenschaften zu verbinden – so entstanden die Rhythmusbilder." Fasziniert erlebten die Gäste im Stadtkeller daraufhin, wie das auf der Bühne ausgestellte Bild entstanden war. Gubelmann setze sich ans Schlagzeug, spielte zuerst langsam und dann immer schneller, liess einen Trommelwirbel folgen und erklärte dazu, wie er seine selbst erfundene Notenschrift auf dem ausgestellten Bild gemalt hatte.

Kurze Sprachlosigkeit im Stadtkeller

Man war auf diese Demonstration hin im Stadtkeller einigermassen sprachlos und staunte über die ausgeklügelte Vorgehensweise und die Ausdruckskraft des ausgestellten Bildes: Eine energiegeladene Umsetzung von Rhythmus in Bildsprache. "Sie sind ein Vertreter der so genannten 'Konkreten', die in der Stadt Zürich eine grosse Bedeutung haben", stellte Winter in der Folge fest. "Ich wende den goldenen Schnitt an; ich will Spannung und Harmonie zugleich in meine Werke bringen", erklärte Gubelmann und berichtete, dass er seine Bilder fast fertig im Kopf habe, bis er sie dann auf die Leinwand setze. Seine Arbeit an einem Bild nehme Tage bis Wochen in Anspruch, da alles von Hand gemalt werde. Zu seiner Freude gäbe es bereits Sammler, die sich auf Gubelmann-Bilder spezialisieren würden. Wie es gekommen sei, dass er neuerdings seine Arbeitsweise interessierten Leuten zeige, wollte Winter wissen. Gubelmann: "Es fragten mich so viele Leute, wie ich die Bilder male, ich musste alles so oft erklären, bis ich aus der Not eine Tugend machte und eine Art Einführung mit Beamer vorbereitete", merkte er schmunzelnd an.

Ein Museum in der 'Krone'?

Am Schluss des Gesprächs lag die Frage nach der Bedeutung von 'Kultur in Dietikon' in der Luft. "Wie soll sich das Kulturleben in Dietikon weiter entwickeln? Welche Ideen haben Sie?", fragte Winter. Gubelmann äusserte den Wunsch, dass man von den Stadtbehörden her den Kulturbegriff neu definiere und wies auf die neuen Projekte rund um die "Krone" hin. "Warum nicht hier ein Museum einrichten?", fragte er provokativ. Seine Vision von einem Dietiker Museum mit einem 'einzigen Bild' fand bei den Gästen Anklang. Rings um die Bar wurde nach dem Limmattalk angeregt weiterdiskutiert. Man hatte sich vom Dietiker Multitalent inspirieren lassen.

Text bearbeitet und gekürzt; RG