2004.02.10 - MZ Limmattal - Helen Busslinger - Projekte in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Zürich

Der Geniestreich des Malers und Musikers René Gubelmann

Er macht etwas, was sonst niemand macht: René Gubelmann malt Rhythmen. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten in der konkreten Malerei entwickelte er während zehn Jahren eigene Methoden und eine eigene Bildsprache, um Rhythmen darzustellen. Es sind keine Notenschriften, sondern grafische Codes; die Bilder wirken 'wie Musik'. Vor gut vier Jahren beteiligte sich Gubelmann am Fahnen Wettbewerb der Stadtmusik Dietikon, dabei bildete er den Groove von Marschmusik ab. Er malte tanzende Noten auf goldgelbem Grund, gewann den Wettbewerb und gestaltete die neue Fahne. Zur Überraschung einer grossen Festgemeinde auf dem Zentralschulhausplatz wurde von einem Schlagzeuger die Fahne als Notenblatt benutzt - die Noten waren spielbar.

Einen Monat für ein Rhythmusbild

Das war im Herbst 1999. Seither hat Gubelmann an seiner neuen Erfindung weitergearbeitet, die Methoden verfeinert und schon ein Jahr später im Berufsbildungszentrum Dietikon ausgestellt. Es ist Knochenarbeit, Gubelmann arbeitet mathematisch genau, mit virtuoser Farbgebung setzt er Teile eines Musikstückes ins Bild. Diese Arbeit kann pro Bild gut und gerne einen Monat dauern.

Musiker/Maler

Wenn sich einer für eine solche Umsetzung von Musik in Bilder eignet, dann ist es Gubelmann. Der Künstler hat eine Doppelbegabung: Er hat die Ausbildung für klassisches Schlagzeug am Konservatorium absolviert und besuchte die Malerfachklasse an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich. Als Schlagzeuger wirkte er in der ehemaligen DRS-Big-Band, hat in der Tonhalle und im Opernhaus gespielt und ist als Vibraphonist und Schlagzeuger im Fernsehen aufgetreten. Nebenher hat Gubelmann immer auch gemalt. Die beiden Geleise nutzt er auch heute, wenn er in Jazz-Kleinformationen spielt. Zurzeit hält ihn vor allem die Umsetzung von Rhythmen in Atem. Er beherrscht das Sichtbarmachen von Grundstrukturen ausgewählter Musikstücke. Gubelmann malt - ein Geniestreich - den Rhythmus.

Projekte

Horst Hofmann, Dozent an der Musikhochschule Zürich (HMT), und Fredi Olbrecht, Lehrer an der Kantonsschule Zürich Oberland, wurden auf Gubelmanns Bilder aufmerksam. Man bat den Dietiker Künstler, ein Bild für ein Schlagzeugkonzert zur Verfügung zu stellen. Doch Gubelmann sagt: "Ich kann mehr. Ich male Bilder zu Werken, die am Schlagzeugkonzert zur Aufführung kommen werden." Die Auftraggeber waren von der Idee angetan und der Dietiker Crossover-Künstler machte sich sofort ans Werk. Die meisten Bilder sind heute fertig. Die Aufführungen, an denen Gubelmanns Bilder zur Musik an die Wand projiziert werden, finden demnächst statt. Am 15. März an der Musikhochschule Zürich und am 23. März in der Aula der Kantonsschule Wetzikon. Die beiden Konzerte unterscheiden sich in der Besetzung: In Zürich treten das Schlagzeugensemble und die Jazzschlagzeuger der HMT auf. In Wetzikon gestalten das Schlagzeugendemble Zürcher Oberland und seine Zürcher Gäste den Abend.

Abgebildete Trommelwirbel

In einer Vorschau in seinem Atelier an der Dietiker Vorstadtstrasse gab Gubelmann Einblick in sein Schaffen. Anhand von Beispielen auf der Staffelei und ausgestellten Bildern erläutert er seine Erfindung. Einen Viervierteltakt etwa stellt er mit Vierecken dar, die - entsprechend der Hand, die den Trommelstab führt - rechts oder links ausgerichtet sind. Zu jedem der neuesten Bilder, die an diesem Anlass feierlich enthüllt wurden, gab es eine musikalische Kostprobe ab CD, ein Vorgeschmack auf die beiden Konzerte im März. Perfekt passte dazu das Solo des Schlagzeugers Luca Borioli, der virtuos Marimbaphon, ein Schlaginstrument aus gestimmten Holzplatten, spielte. Die Gäste an der Vorschau staunten nicht nur über die Methode, die Gubelmann ausgeklügelt hat, sie waren überrascht von der Ausdruckskraft der Bilder. Es sind Feuerwerke von durchdachten und logischen Mustern, eine energiegeladene Umsetzung von Rhythmus in Bildsprache. Beim Anschauen der Bilder wippt man automatisch mit dem Fuss oder man schnippt mit den Fingern. Die Bilder sind nicht nur spielbar, sie erzeugen beim Betrachtenden Rhythmus und Lebensfreude.

Text bearbeitet und gekürzt; RG