2000.04.28 - Zürcher Oberländer - Renato Bagattini - Schlagzeug-Musik auf der Leinwand

'Rhythmusic'

heisst die aktuelle Ausstellung von René Gubelmann im Foyer des Stadthauses Uster. Der Künstler komponiert nach strengen Vorgaben und erzeugt damit überraschend mehrschichtige Werke. Seine Talente weiss er zu nutzen und dorthin, wo er hin wollte, ist er meist auch gekommen. So ist es nicht verwunderlich, dass René Gubelmann als Schlagzeuger lange Zeit in der mittlerweile aufgelösten DRS Big Band gespielt hat - "Damals holte mich Hans Moeckel", sagt der Künstler. Auch ein Engagement bei Hazy Osterwald lag drin und so ist dieser Bandleader noch heute ein guter Bekannter von Gubelmann.

Musiker und Maler

Doch Gubelmann ist nicht nur ein begnadeter Musiker. Auch die bildende Kunst ist ein bevorzugtes Betätigungsfeld des 1947 geborenen und in Dietikon lebenden Kunstschaffenden. Seine Malkunst ist unzertrennlich mit der Musik verbunden. Denn Gubelmann malt Rhythmen und erzeugt damit aussergewöhnliche Wirkungen. Der Künstler gibt die Töne und Ihre Länge vor: Ein Viervierteltakt beispielsweise besteht aus vier schräg gestellten Vierecken. Als Schlagzeuger ist es für Gubelmann wichtig, wie der Ton erzeugt wird - mit der linken oder der rechten Hand. Je nachdem zeigt das Viereck nach links oder rechts. Die rhythmischen Strukturen der Bilder sind, oberflächlich gesehen, lediglich eine Aneinanderreihung von Symbolen nach streng mathematischen respektive musikalischen Regeln. Erst bei genauerer Betrachtung erkennt man die musikalische Dimension, die den Werken zu Grunde liegen.

Spielbare Bilder

Im Grunde lassen sich Gubelmanns Bilder spielen und das auf ganz verschiedene Art und Weise. Sie könnten als Rhythmusschule für das Schlagzeug verwendet werden und auf einer weiter entwickelten Ebene - im sinne grafischer notation - auch als Vorlage für serielle Musik. Mit seinen Arbeiten will Gubelmann auch auf eine unbestreitbare Tatsache hinweisen: Dass Musik nach strengen mathematischen Regeln verläuft - egal, ob es sich dabei um klassische oder moderne Musik handelt.

Ausstellung

Ein Rundgang durch die Ausstellung, zeigt auf, dass mit wenigen Symbolen eine schier unerschöpfliche Vielfalt entstehen kann. Freilich braucht es viel Konzentration, um eine Bildkomposition, die später klingen soll, entstehen zu lassen. Nur in einer absolut ruhigen Umgebung ohne Musik können sich die Sinne wirklich öffnen und die weitere Dimension offenbaren. Diese ist zwar in keinem Fall hörbar, aber dennoch voll von Musik - poetischer Musik notabene, die wenig mit Schallwellen zu tun hat.

Text bearbeitet und gekürzt; RG