2000.04.28 - Zürcher Oberländer - Renato Bagattini - Schlagzeug-Musik auf der Leinwand

'Rhythmusic'

heisst die aktuelle Ausstellung von René Gubelmann im Foyer des Stadthauses Uster. Der Künstler komponiert nach strengen Vorgaben und erzeugt damit überraschend mehrschichtige Werke. Seine Talente weiss er zu nutzen und dorthin, wo er hin wollte, ist er meist auch gekommen. So ist es nicht verwunderlich, dass René Gubelmann als Schlagzeuger lange Zeit in der mittlerweile aufgelösten DRS Big Band gespielt hat - "Damals holte mich Hans Moeckel", sagt der Künstler. Auch ein Engagement bei Hazy Osterwald lag drin und so ist dieser Bandleader noch heute ein guter Bekannter von Gubelmann.

Musiker und Maler

Doch Gubelmann ist nicht nur ein begnadeter Musiker. Auch die bildende Kunst ist ein bevorzugtes Betätigungsfeld des 1947 geborenen und in Dietikon lebenden Kunstschaffenden. Seine Malkunst ist unzertrennlich mit der Musik verbunden. Denn Gubelmann malt Rhythmen und erzeugt damit aussergewöhnliche Wirkungen. Der Künstler gibt die Töne und Ihre Länge vor: Ein Viervierteltakt beispielsweise besteht aus vier schräg gestellten Vierecken. Als Schlagzeuger ist es für Gubelmann wichtig, wie der Ton erzeugt wird - mit der linken oder der rechten Hand. Je nachdem zeigt das Viereck nach links oder rechts. Die rhythmischen Strukturen der Bilder sind, oberflächlich gesehen, lediglich eine Aneinanderreihung von Symbolen nach streng mathematischen respektive musikalischen Regeln. Erst bei genauerer Betrachtung erkennt man die musikalische Dimension, die den Werken zu Grunde liegen.

Spielbare Bilder

Im Grunde lassen sich Gubelmanns Bilder spielen und das auf ganz verschiedene Art und Weise. Sie könnten als Rhythmusschule für das Schlagzeug verwendet werden und auf einer weiter entwickelten Ebene - im sinne grafischer notation - auch als Vorlage für serielle Musik. Mit seinen Arbeiten will Gubelmann auch auf eine unbestreitbare Tatsache hinweisen: Dass Musik nach strengen mathematischen Regeln verläuft - egal, ob es sich dabei um klassische oder moderne Musik handelt.

Ausstellung

Ein Rundgang durch die Ausstellung, zeigt auf, dass mit wenigen Symbolen eine schier unerschöpfliche Vielfalt entstehen kann. Freilich braucht es viel Konzentration, um eine Bildkomposition, die später klingen soll, entstehen zu lassen. Nur in einer absolut ruhigen Umgebung ohne Musik können sich die Sinne wirklich öffnen und die weitere Dimension offenbaren. Diese ist zwar in keinem Fall hörbar, aber dennoch voll von Musik - poetischer Musik notabene, die wenig mit Schallwellen zu tun hat.

Text bearbeitet und gekürzt; RG

2000.04.28 - Zürcher Oberländer - John Matheson - Ausstellung 'René Gubelmann - Rhythmusic'

'Rhythmusic'

René Gubelmann ist eine der gar nicht seltenen Doppelbegabungen in den Gebieten Kunst/Musik. Dabei muss jedoch auf einen speziellen Punkt hingewiesen werden, auf das dialektische Verhältnis Interpretation - Intuition. Um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen: Paul Klee war, so sagen es wenigstens Ohrenzeugen, ein hervorragender Geiger, aber er interpretierte die Musik, sprich die Noten und die Stimmungslage der Melodie. Als Maler/Künstler/Zeichner/Ideenfinder dagegen war er, das darf man ruhig sagen, genial. Das Gegenteil finden wir bei Arnold Schönberg: Als Komponist bahnbrechend mit seiner Zwölftonmusik, seine malerischen Arbeiten hingegen hinken bei aller Virtuosität seinem musikalischen Können hinterher. Und erst die Russen: Michail Matjuschin versuchte eine Verbindung dieser beiden Ausdrucksarten, sie ist ihm bei allem Können - ehrlich gesagt - missglückt, ebenso wie Alexander Skrjabin mit seinem 'Farbenklavier' genial scheiterte. Schliesslich, um in die Schweiz zu kommen: Robert Strübin mit seinen 'Musikbildern', in denen er für jeden Ton bestimmte Farben benutzte und die rhythmische Länge durch verschiedene Längen der Figur ausdrückte. Jedoch, ob er sich auf Bach, Chopin oder Strawinsky bezieht, die Bilder bestechen durch ihre Farblichkeit, lassen sie jedoch nie erklingen.

Kommen wir also zu René Gubelmann!

Er, wie erwähnt eine Doppelbegabung, Schlagzeuger der ehemaligen DRS-Big-Band - er hat auch in der Tonhalle und im Opernhaus Zürich gespielt oder getrommelt - und Maler. Beide Berufe - oder sind es vielleicht doch eher Berufungen? - hat er zeitlich parallel gelernt, sei es an der Malerfachklasse der Kunstgewerbeschule Zürich oder klassisches Schlagzeug am Konservatorium Zürich. Was unterscheidet ihn von den vorher erwähnten Malern/Künstlern? Sicher die bereits angetönte Dialektik von Interpretation und Intuition. Ich habe ihn gefragt - auf der Basis einer mir geläufigen Aussage eines bekannten deutschen Schlagzeugers, der in der Kunsthalle Düsseldorf spielte und meinte, dass ihn gewisse Bilder geradezu zu seiner Spielweise inspirierten - ob das auch für ihn gelte. René Gubelmann hat das weit von sich gewiesen, denn als Musiker sieht er sich als reiner Interpret, keine störenden Einflüsse von aussen und sei es selbst von der Kunst ... Ihn, den rhythmisch begabten Menschen, der selbst eine Musikschule "Rhythmus/Notenlesen" verfasst hat, treibt es an, den Rhythmus umzusetzen in seiner Malerei. Dies aber konsequent in der Richtung, dass er keine spielbaren Melodien 'malt', sondern eben nur 'Rhythmen'. Keine Notenschriften also, sondern eher grafische Codes für die Ganz-/ Halb-/ Viertel-/ Achtel-/ Sechzehntel-Werte inklusive der Pausen, der Stille also. Ein Schlagzeuger, der still spielt, pardon - malt!

Synästhesie von seltener Folgerichtigkeit

René Gubelmanns Bilder bestechen als ein Beispiel künstlerisch gestalteter Synästhesie von seltener Folgerichtigkeit. Als ausgebildeter Schlagzeuger und Vibraphonist einerseits, als ausgebildeter Maler andererseits bringt er für eine solche, zwei gestalterische Disziplinen verklammernde Struktur selten gute Voraussetzungen ein. Wir beide haben uns lange überlegt, ob er nicht auch Proben seines musikalischen Könnens zu Gehör bringen soll. Wir sind davon abgekommen, verzichten ganz bewusst darauf, nur der Maler soll hier zu Gehör, pardon - zu Augen kommen. Eine ganze Menge Arbeit steckt hinter seinen Bildkompositionen und handwerkliche Präzision: Seine kristallklaren geometrischen Figurationen sind nicht, wie bei einigen konkreten Malern, abgeklebt, sondern frei aus der Hand gemalt - gemalt voller Lust und Freude.

Freiheit

Er ist ein Glücksmensch: Heute kann/darf er musizieren, morgen oder gestern oder sogar noch heute darf, nein, will er malen. Jelly Roll Morton, der grosse frühere Jazz-Pianist und Band-Leader, hat einmal zu seinen Mitmusikern gesagt, dass sie ihm eine grosse Freude bereiten würden, wenn sie nur die von ihm hingekritzelten schwarzen Kleckse, gemeint waren die Noten, spielen würden und sonst nichts weiter. Aber die gleichen Musiker sagten, dass sie in den 'Red Hot Peppers-Combos' die allergrösste Freiheit des Musizierens fanden. Beschränkung auf das Thema 'Rhythmus' und es darzustellen, diese Freiheit ermöglicht René Gubelmann, seine Werke zu schaffen. Wir Betrachter können in den Zustand des Füssewippens oder Fingerschnippens gelangen, aber dann bitte im Takt. Die Bilder und die Plastiken geben es vor.

Text bearbeitet und gekürzt; RG

2002.03.19 - Peter Killer - Rede anlässlich der Vernissage 'Kunst im Buchenhof' Aarau

Vernissage 'Kunst im Buchenhof'

Jeder dritte Vernissageredner beginnt seine Ausführungen mit dem Satz: "Es ist schwierig über Herrn/Frau Sowieso zu reden" und plaudert dann munter darauf los, als wäre es gar nicht so schwierig. Erlauben sie mir den fast gleichen Einstieg, nur etwas ambitiöser verpackt. Der berühmteste Satz von Sokrates lautet: "Ich weiss, dass ich nicht weiss". Diese Erkenntnis ähnelt wiederum jener Sentenz, die man hört, wenn Laien mit sogenannten Fachleuten über Kunst diskutieren. Stereotyp beginnt der Laie: "Ich verstah zwar nüüt vo Kunscht, aber..." Nach diesem 'aber' wird mit grösster Gewissheit erklärt, was Kunst zu sein hat, was Künstler zu tun haben. Zwischen dem Kunst-Laien und dem Kunst-Fachmann gibt es folglich nur 'einen' wesentlichen Unterschied: Der Laie weiss, was Kunst ist, und der Kunstfachmann weiss es nicht - bzw. hat der Fachmann oder die Fachfrau gelernt, dass ein echtes Kunstwerk nie das ist, was es auf den ersten Blick vorzugeben scheint. 

Nun vom Allgemeinen zum Speziellen. René Gubelmanns Bilder sehen ähnlich aus wie Werke anderer geometrischer Künstler. Präzise gemahlt, klare Formen die definierten Ordnungen folgen. Mit den berühmtesten Schweizer Konstruktivisten wie Bill, Lohse, Graeser ist René Gubelmann fern verwandt, aber nur fern, da diese bekanntlich ihre Werke ausnahmslos innerhalb eines Rechtwinkelsystems aufbauten. Der erste Blick täuscht auch hier. Bei René Gubelmann geht es nicht um die Liebe zur Geometrie. Um was geht es? 

René Gubelmann. 1947 in Zürich geboren, fühlt sich seit seiner Kindheit zur Malerei ebenso stark hingezogen wie zur Musik. Nicht unbedingt zur Melodie, nicht unbedingt zum Faszinosum des Akkords, sondern vor allem zum Rhythmus. Schlagzeuger wollte er werden und ist es geworden. Als Schlagzeuger mit Konservatoriumsabschluss hat er Karriere gemacht, wurde von Hans Moeckel in die unterdessen aufgelöste DRS-Bigband geholt. Er spielte mit Hazy Osterwald und sitzt heute noch am Wochenende hinter der Combo. Die Liebe zum Rhythmus und zur Malerei hat René Gubelmann verschmolzen, das scheinbar Duale ist zur Einheit geworden. Die Wahrnehmungsforscher kennen seit langem das Phänomen der Synästhesie. So wird die Miterregung eines Sinnesorgans bei der Reizung eines andern bezeichnet. Ein synästhetisch begabter Maler hört beispielsweise Musik farbig und kann also Musik malen. Diese Fähigkeit ist nicht selten. Noch häufiger sind die Versuche, auf rationale, systematische Weise Musik in Bilder umzusetzen. Die deutschen Romantiker – allen voran Philipp Otto Runge – waren die ersten, die das Geheimnis, das Farbe und Ton miteinander verbindet, zu ergründen suchten. In der Zeit der Romantik beginnt der Traum von der grossen Verschwisterung aller Künste, ein Traum, der etwa im allen (in der Baubranche tätigen) bekannten Bauhaus tragender Leitgedanke wurde.

Malerei und Musik

Sie kommen beispielsweise in den Bildern der Schweizer Robert Strübin und Jakob Weder zusammen. Es blieb dort allerdings bei bildnerischer Transkribierung von Notenbildern - und Notenbilder klingen bekanntlich nur für jene wenigen, die sie zu lesen verstehen. Alle Nicht-Musiker sind Heuchler und Hochstapler, wenn sie behaupten, dass sie aus Bildern Strübins und Weders Musik heraushören würden. Weltberühmt für seine Musik-Bild-Synthesen ist der Amerikaner John Cage geworden. 

René Gubelmann weiss genau, dass man Musik letztlich nur hören und nie in ähnlichem Mass visuell erfahren kann. Der Schriftsteller Gerhard Meier hat die Frage, was Kunst sei, mit dem Paradoxon beantwortet: "Den schwarzen Schimmel reiten". Also das Unmögliche tun. Auch René Gubelmann versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Der Künstler spielt ihnen nun auf dem Schlagzeug eines seiner Bilder vor, bzw. sie sehen, wie sich Rhythmen in Formen verwandeln.

Schlagzeug

Ich hoffe, dass Sie gesehen und gehört haben, dass sich Gubelmanns Bilder spielen lassen. Natürlich nicht auf eindeutige Weise. Es wäre interessant, nun einen anderen Schlagzeuger mit seiner persönlichen Interpretation zu hören. Vorgegeben sind auf dem Bild die Abfolge und Länge der Töne. Ihre Qualität, also ihre Klangfarbe und –stärke muss der Interpret allerdings intuitiv erfassen. Auf diesen gemalten Schlagzeug-Partituren entspricht jede Bildzeile einem Takt. Ein Viervierteltakt beispielsweise besteht aus vier schräg nebeneinander gestellten Vierecken. Eine Achtelnote malt er als halbes Rhomboid. Auf das Rhomboid ist René Gubelmann gestossen, weil die Rechteckformen es nicht erlauben, sie lesbar aneinander zu reihen. Getrennt nebeneinander gesetzt, hätte sich ein Staccato-Muster ergeben, das wiederum der Wirkung der nachhallenden Töne nicht entsprechen würde. Als Schlagzeuger ist es für Gubelmann auch wichtig, wie der Ton erzeugt wird: Mit der linken oder der rechten Hand. Je nachdem zeigt das Viereck nach links oder rechts. Mehrmals sehen sie Bilder, bei denen ein farblich kontrastierendes Band die zwölf Takt-Reihen akzentuieren. Diese Formung folgt nicht einfach einer Laune, sondern dem 12-taktigen Blues Schema. 

Dass die Bildteilung der Regel des goldenen Schnittes entspricht, kommt nicht von ungefähr. Viele Forschungen haben gezeigt, dass in der Musik ähnliche Gesetzmässigkeiten vorkommen wie in der bildenden Kunst und in der Architektur. Wir wissen, dass schon Pythagoras mithilfe des Monochords musikalische Harmonien in Zahlen übersetzt hat. Auch wer nicht zur Synästhesie begabt ist, verwendet den Begriff 'Klangfarbe'. Töne haben aber nicht nur Farben, sondern auch eine Körperlichkeit. Diese lässt sich zwar nicht im Kubikmass messen, aber sie lässt sich empfinden. So ist es naheliegend, dass René Gubelmann Rhythmen auch in säulenartigen Konstruktionen, in Polyeder-Türmen, räumlich dargestellt hat. René Gubelmanns Werk in zwei- und dreidimensionale Arbeiten aufzugliedern, macht aber keinen Sinn, denn so oder so geht es nur um ein Thema: Den Rhythmus. 

Noch einmal zurück zum Wort 'Klangfarbe'. Notenbilder sind bekanntlich schwarzweiss. Man kann sie sich so schwerlich farbig vorstellen wie die Tasten des Klaviers. René Gubelmann hingegen malt – wenn auch zurückhaltend – farbig. Im Gegensatz zur Rhomboidgrösse, die die Notenlänge angibt, vermittelt die Farbe keine sachlichen Informationen. Sie ist intuitiv eingesetzt, um im Einzelnen die Intensität des Klangs zu charakterisieren und im Ganzen die Stimmung der Musik. So kommt es, dass ein Blues-Bild selbstverständlich eine ganz andere Farbigkeit zeigt als etwa eine Samba-Interpretation. Professionelles Musizieren gelingt selbst dem Genie nicht ohne tägliche Uebung, ohne perfektes Handwerk. Was für die Musik gilt, trifft bei René Gubelmann auch für das Malen zu. Als Sohn eines Malermeisters stellt er an die Machart höchste Ansprüche. Mit dem altertümlichen Instrument des Malstocks bringt er die geometrischen Flächen in grösster Präzision auf die Leinwand. Im Atelier der meisten Konstruktivisten ist das Abdeckband ein mindestens so wichtiges Arbeitsinstrument wie der Pinsel. Nicht so bei René Gubelmann. Mit unglaublich sicherer Hand malt er aus, was er vorher auf die grundierte Leinwand mit Bleistift gezeichnet hat. Als Handwerker mit Leib und Seele ist er vom mechanischen Gleichmass der Air-Brush-Technik bald wieder abgekommen. Ja er will heute, dass der Pinselstrich nicht ebenmässig ist, sondern als Spur des Hand-Werks sichtbar wird. Sie sehen in dieser Ausstellung Bilder aus dem letzten Jahrzehnt. 

Im zentralen Raum, wo sie das Buffet erwartet, hängen auch Werke, die zeigen, wie Gubelmann dahin gelangt ist, wo er sich heute bewegt. Diese Experimente, die spielerische Annäherung an das, was sich heute als sein eigentliches Anliegen erweist, stellt der Künstler bedeutungsmässig hinter die neuen Rhythmusbilder. Sie sind aber hochinteressant, weil sie Facetten einer Künstlerpersönlichkeit sichtbar machen, die der Striktheit des jüngsten Schaffens weniger zu eigen sind. Wahre Künstler sind ambitionierte Künstler. Als Cunot Amiet einmal gefragt wurde, welches sein wichtigstes Werk sei, sagte er ohne lange nachzudenken: "Mein Nächstes!". Das Gelungene befriedigt den Künstler nie, sondern provoziert ihn, über das Erreichte hinauszugehen. Das gilt sowohl für den Maler René Gubelmann als auch für den Musiker René Gubelmann. Er wird Ihnen nun die bereits gespielten Takte neu zu Gehör bringen, abgeändert, bereichert, weiterentwickelt. Was sie nun hören, wartet nur darauf, erneut variiert zu werden.

Text bearbeitet und gekürzt; RG

2002 - Text zur Ausstellung 'Spielbare Bilder und starke Skulpturen'

Ausstellung in der Galerie am Märtplatz

René Gubelmann

René Gubelmann macht es möglich, mit dem Trommelstock geschlagene oder gewirbelte, musikalische Rhythmen ausdrucksvoll abzubilden. Der Künstler weiss wovon er malt, ist er doch selbst professioneller Musiker! Mit klaren geometrischen Formen und mittels der verschiedenen Regenbogenfarben entschlüsselt der Künstler Groove und Beat des Rock, des Jazz, der lateinamerikanischen und afrikanischen Tänze und verleiht ihnen lautmalerisch Ausdruck und Gestalt. Das meisterhafte Verweben von Formen und Farben macht die strenge Grundordnung und Struktur der Musik sichtbar. Es entstehen Bilder, die tönend schweigen, still atmen, ruhig rattern. Sie symbolisieren und spiegeln den Herzschlag der Musik: Ihren Rhythmus. Genau genommen malt Gubelmann Notenblätter, trommelbare Bilder, die lautlos mitreissen.

Marcel Löhrer

Marcel Löhrer schlägt nicht mit dem Trommelstock, dafür mit dem Feustel, wenn er das Eisen für seine Plastiken bearbeitet. So wird in seinen Werken ebenfalls Rhythmus sichtbar - der Rhythmus der Bearbeitung. Schon in frühen Kindertagen entdeckte der Künstler seine Liebe zum Gestalten und Erfinden von Figuren und Skulpturen. Als gelernter Schlosser versteht er es meisterhaft mit dem Eisen umzugehen. Es entstehen verspielte, träumerische Figuren, welche die Härte des Materials beinahe vergessen lassen. Daneben aber auch klare, harte Formen, bei denen die starke Hand des Künstlers ebenso wie der Widerstand des Eisens spürbar wird. 

Tauchen Sie bei einem Besuch der Ausstellung selbst in Rhythmen, Farben und Formen ein.

Text bearbeitet und gekürzt; RG

2003.11.20 - John Matheson - Rede anlässlich der Vernissage 'For Drummers only?' - Galerie Basler&Hofmann, Zürich

For drummers only?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Bilder und Plastiken von René Gubelmann in den Umkreis oder in der Nachfolge der 'Zürcher Konkreten' (Max Bill, Richard P. Lohse) einordnen zu können. Doch weit gefehlt! Sie sind Notationen, aber nicht auf allen Instrumenten spiel- oder gar singbare Noten, sondern die einzelnen Elemente seiner Arbeiten sind Symbole für Rhythmen. Sie sind eigentliche Partituren für Schlaginstrumente. Was Sie eben gehört haben, ist nichts anderes als die Umsetzung des Bildes 'Dynamische Verdichtung' hinter mir. Dabei stehen die grünen Farbtöne für die linke, die roten für die rechte Hand. Zwischenbemerkung: Ähnliches 'spielt' sich in den Plastiken ab: Die Diagonale von links nach rechts steht für die eine, die von rechts nach links für die andere Hand. Und weiter - und das gilt für alle seine Bilder: Eine einfache Diagonale ist ein 1/16 Schlag, ein Rhombus steht für einen 1/8 Schlag. Die grauen Flächen illustrieren die Lautstärke des einzelnen Trommeleinsatzes. Bleibt als Fremdpunkt die Farbe Schwarz, die mit dem musikalischen Geschehen als einzige nichts zu tun hat, denn Schwarz ist ein Farbelement, welches den Schlagschatten der einzelnen Rhythmus-Symbole bezeichnet. 

'For drummers only?' nennt er seine Ausstellung. Sind seine Bilder wirklich nur für Schlagzeuger? Sind also die Rhythmen Grundlage für die Bilder oder ist es vielleicht genau umgekehrt? Die Frage, was zuerst war, lässt sich nicht eindeutig feststellen und ist auch eher unwichtig. Entscheidend ist für den Moment etwas anderes: René Gubelmann ist eine Doppelbegabung, denn er hat eine Ausbildung für klassisches Schlagzeug am Konservatorium Zürich erhalten und absolvierte zeitlich parallel die Malerfachklasse an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich. Er hat sowohl in der Tonhalle als auch am Opernhaus gespielt – besser getrommelt. Er war der Schlagzeuger der ehemaligen DRS-Big-Band. Noch heute übt er diese beiden Funktionen gleichzeitig aus: Einerseits spielt er in verschiedenen Jazz-Kleinformationen und unterrichtet in Dietikon, seinem Wohn- und Arbeitsort, an der Berufsschule Dietikon 'Airbrush-Malerei'.

Exkurs

Doppelbegabungen Musik-Malerei sind gar nicht so selten. Einige wenige Beispiele sollen zur Erläuterung dienen: Paul Klee hat lange gezaudert, welchen Beruf er ausüben wolle. Als Musiker war er ein – so erzählen Ohrenzeugen – technisch hervorragender Geiger. Doch musste oder durfte er nur die aufgeschriebenen Noten interpretieren. Als Maler hingegen konnte er seine Phantasie frei entfalten. Das Gegenteil dazu ist Arnold Schönberg, bahnbrechend als Komponist in der Zwölftonmusik, aber als bildender Künstler erscheinen seine Werke eher dilettantisch. Es gibt noch einen anderen Aspekt. Der Schweizer Maler Robert Strübin benutzte in seinen Musikbildern für jeden Ton eine bestimmte Farbe und drückte deren rhythmische Struktur durch unterschiedliche Längen aus. Seine Interpretationen von Werken Bachs oder Chopins bestechen durch ihre Farbigkeit, doch bringen sie die Melodien nie wirklich zum Klingen. An der Synästhesie Musik/Malerei sind die Russen des frühen letzten Jahrhunderts genial gescheitert, sei es Skrjabin, sei es Matjuschin oder sei es Wyschnegradsky. Aber dem steht entgegen: Dave Brubeck, der bekannte Jazz-Pianist, hatte, ausgehend von einem Gemälde des grossen spanischen Surrealisten Joan Mirò, um 1960 'Time Further Out' aufgenommen, in dem er die irgendwie absurden Zahlenreihen auf dem Bild als Basis benutzte für seine Kompositionen, die er in eher ungewöhnlichen 5/4 Takten oder gar 7/4-Takten einspielte. Also unmögliche Rhythmen - so denkt man. Doch genug der Namen und Beispiele, zurück zu René Gubelmann. 

Ich habe zu Beginn meiner Ausführungen die 'Zürcher Konkreten' erwähnt. Zu diesen gibt es aber grosse Unterschiede: Einmal technischer Natur, denn erstere kleben ihre Farbfelder ab, während René Gubelmann diese frei aus der Hand malt. Weisen die Bilder der 'Konkreten' nie oder kaum jemals räumliche Tiefe auf, so bestechen René Gubelmanns Werke eben durch ihre Tiefe und er erzielt kristallklare Kompositionen. Zur Farbgebung nur soviel: Selbstverständlich geht er von der rhythmischen Grundstruktur aus, denn z.B. eine brasilianische Taktabfolge kann nun einmal nicht mit dunklen Farben gemalt werden. Ferner - alle seine Bilder haben Titel - die immer irgendetwas mit der Musiksprache zu tun haben. So etwa bezeichnet 'Paradiddle' in der Schlagzeugsprache eine Eselsbrücke. Die Triolen sind übrigens das einzige nicht streng konstruktive Element in seiner Bildsprache. Ihn, den rhythmisch begabten Musiker/Maler, der übrigens selbst eine Musikschule 'Rhythmus/Notenlesen' verfasst hat, treibt es an, den Rhythmus umzusetzen in seiner Malerei. Konsequent in der Richtung, dass er keine spielbaren Melodien 'malt', sondern eben nur Rhythmen. Es sind keine Notenschriften, sondern eher grafische Codes für die Ganz-/Halb-/Viertel-/Achtel-/Sechzehntel-Werte. Hinzu kommen die Pausen, die Stille also, wenn in seinen Bildkompositionen urplötzlich eine Stelle leer bleibt, also kein geometrisches Element erscheint. Ein Schlagzeuger, der still spielt, Entschuldigung, still malt! 

René Gubelmann beschränkt sich also auf ein Thema, eben 'Rhythmus' und dieses bildlich umzusetzen, ermöglicht es ihm, seine Ideen sowohl auf der Fläche als auch auf dem Schlagzeug zu realisieren. Wir Betrachter können beim Sehen unwiderstehlich in den Zustand des Füssewippens oder des Fingerschnippens gelangen, dann aber bitte im Takt. 

Ich schlage den Bogen zurück zur 'Dynamischen Verdichtung', also zum Titelbild und dem zur Einführung gespielten Thema - langsam, fast bedächtig. Aber René Gubelmann kann auch improvisieren - und was, vom Bild ausgehend, spielbar alles möglich wird, das können Sie jetzt hören.

Text bearbeitet und gekürzt; RG

2004.02.10 - MZ Limmattal - Helen Busslinger - Projekte in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Zürich

Der Geniestreich des Malers und Musikers René Gubelmann

Er macht etwas, was sonst niemand macht: René Gubelmann malt Rhythmen. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten in der konkreten Malerei entwickelte er während zehn Jahren eigene Methoden und eine eigene Bildsprache, um Rhythmen darzustellen. Es sind keine Notenschriften, sondern grafische Codes; die Bilder wirken 'wie Musik'. Vor gut vier Jahren beteiligte sich Gubelmann am Fahnen Wettbewerb der Stadtmusik Dietikon, dabei bildete er den Groove von Marschmusik ab. Er malte tanzende Noten auf goldgelbem Grund, gewann den Wettbewerb und gestaltete die neue Fahne. Zur Überraschung einer grossen Festgemeinde auf dem Zentralschulhausplatz wurde von einem Schlagzeuger die Fahne als Notenblatt benutzt - die Noten waren spielbar.

Einen Monat für ein Rhythmusbild

Das war im Herbst 1999. Seither hat Gubelmann an seiner neuen Erfindung weitergearbeitet, die Methoden verfeinert und schon ein Jahr später im Berufsbildungszentrum Dietikon ausgestellt. Es ist Knochenarbeit, Gubelmann arbeitet mathematisch genau, mit virtuoser Farbgebung setzt er Teile eines Musikstückes ins Bild. Diese Arbeit kann pro Bild gut und gerne einen Monat dauern.

Musiker/Maler

Wenn sich einer für eine solche Umsetzung von Musik in Bilder eignet, dann ist es Gubelmann. Der Künstler hat eine Doppelbegabung: Er hat die Ausbildung für klassisches Schlagzeug am Konservatorium absolviert und besuchte die Malerfachklasse an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich. Als Schlagzeuger wirkte er in der ehemaligen DRS-Big-Band, hat in der Tonhalle und im Opernhaus gespielt und ist als Vibraphonist und Schlagzeuger im Fernsehen aufgetreten. Nebenher hat Gubelmann immer auch gemalt. Die beiden Geleise nutzt er auch heute, wenn er in Jazz-Kleinformationen spielt. Zurzeit hält ihn vor allem die Umsetzung von Rhythmen in Atem. Er beherrscht das Sichtbarmachen von Grundstrukturen ausgewählter Musikstücke. Gubelmann malt - ein Geniestreich - den Rhythmus.

Projekte

Horst Hofmann, Dozent an der Musikhochschule Zürich (HMT), und Fredi Olbrecht, Lehrer an der Kantonsschule Zürich Oberland, wurden auf Gubelmanns Bilder aufmerksam. Man bat den Dietiker Künstler, ein Bild für ein Schlagzeugkonzert zur Verfügung zu stellen. Doch Gubelmann sagt: "Ich kann mehr. Ich male Bilder zu Werken, die am Schlagzeugkonzert zur Aufführung kommen werden." Die Auftraggeber waren von der Idee angetan und der Dietiker Crossover-Künstler machte sich sofort ans Werk. Die meisten Bilder sind heute fertig. Die Aufführungen, an denen Gubelmanns Bilder zur Musik an die Wand projiziert werden, finden demnächst statt. Am 15. März an der Musikhochschule Zürich und am 23. März in der Aula der Kantonsschule Wetzikon. Die beiden Konzerte unterscheiden sich in der Besetzung: In Zürich treten das Schlagzeugensemble und die Jazzschlagzeuger der HMT auf. In Wetzikon gestalten das Schlagzeugendemble Zürcher Oberland und seine Zürcher Gäste den Abend.

Abgebildete Trommelwirbel

In einer Vorschau in seinem Atelier an der Dietiker Vorstadtstrasse gab Gubelmann Einblick in sein Schaffen. Anhand von Beispielen auf der Staffelei und ausgestellten Bildern erläutert er seine Erfindung. Einen Viervierteltakt etwa stellt er mit Vierecken dar, die - entsprechend der Hand, die den Trommelstab führt - rechts oder links ausgerichtet sind. Zu jedem der neuesten Bilder, die an diesem Anlass feierlich enthüllt wurden, gab es eine musikalische Kostprobe ab CD, ein Vorgeschmack auf die beiden Konzerte im März. Perfekt passte dazu das Solo des Schlagzeugers Luca Borioli, der virtuos Marimbaphon, ein Schlaginstrument aus gestimmten Holzplatten, spielte. Die Gäste an der Vorschau staunten nicht nur über die Methode, die Gubelmann ausgeklügelt hat, sie waren überrascht von der Ausdruckskraft der Bilder. Es sind Feuerwerke von durchdachten und logischen Mustern, eine energiegeladene Umsetzung von Rhythmus in Bildsprache. Beim Anschauen der Bilder wippt man automatisch mit dem Fuss oder man schnippt mit den Fingern. Die Bilder sind nicht nur spielbar, sie erzeugen beim Betrachtenden Rhythmus und Lebensfreude.

Text bearbeitet und gekürzt; RG

2005.06.09 - Limmattaler Zeitung LiZ - Helen Busslinger - René Gubelmann im Gespräch mit Daniel Winter

Limmattalk: René Gubelmann im Gespräch mit Daniel Winter, Dienstag, 7. Juni 2005 im Stadtkeller Dietikon

Der Dietiker René Gubelmann ist Kunstmaler, nein Musiker, nein beides. Ist es möglich, Rhythmus zu malen? Ist es möglich, Bilder zu trommeln? Für René Gubelmann schon. Gubelmann (1947) besuchte in den Jahren 1963 bis 1967 in Zürich die Kunstgewerbeschule und das Konservatorium. Er spielte danach in verschiedenen Orchestern, darunter in der legendären RadioDRS Big Band und stellt regelmässig Bilder aus. Mit klaren geometrischen Formen und mittels der verschiedenen Regenbogenfarben entschlüsselt der Künstler Groove und Beat des Rock, des Jazz, der lateinamerikanischen und afrikanischen Tänze und verleiht ihnen lautmalerisch Ausdruck und Gestalt.

Der Erfinder der trommelnden Bilder - wie der Musiker und Maler René Gubelmann im Stadtkeller für Staunen sorgte.

Im gut besetzten Stadtkeller berichtet René Gubelmann im Rahmen des Limmattalks von seinem faszinierenden Leben als Maler und Musiker. Während andere Kinder die Kletterstange hinaufgeklettert seien oder sich am Boden gebalgt hätten, habe er Bilder im Kopf gehabt, erinnerte sich René Gubelmann an seine Jugendzeit. Musik und Malen hätten ihn stets gleichzeitig interessiert. Als er zum ersten Mal eine Kunstkarte vom Maler Piet Mondrian gesehen habe, sei sie ihm nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Auf seinen Ausbildungsweg befragt, meinte er: "Es war wohl folgerichtig, dass ich am Konservatorium die Ausbildung für klassisches Schlagzeug absolviert und an der Kunstgewerbeschule die Malfachklasse besucht habe." "Es war mein grosser Wunsch, in einer Big Band Schlagzeug zu spielen – Soul, Rock und Bossa Nova", bekannte Gubelmann beim Gespräch mit LT-Chefredaktor Daniel Winter beim Limmattalk vom Dienstagabend im Dietiker Stadtkeller weiter und berichtete, dass ihm in den Sechzigerjahren eine Anfrage einer ungarischen Band, die in Zürich gastierte, gerade recht gekommen sei. In einer berühmten Band als Schlagzeuger in Budapest, mit Auftritten in Hallen mit Tausenden von Zuhörenden, das seien für ihn musikalisch erfolgreiche Zeiten gewesen.

Demnächst ein Auftritt im 'Moods'

"Und die Rückkehr in die Schweiz?", fragte Winter. Das sei "ein Kulturschock" gewesen, erwiderte Gubelmann. Habe er Bekannten von seinen Budapester Highlights erzählt, sei er auf ungläubige Gesichter gestossen. Doch glücklicherweise habe sich das Blatt gewendet, wie Gubelmann strahlend berichtet: "Bald wurde ich von Hans Moeckel in die ehemalige DRS-Big-Band geholt, mit der ich im In- und Ausland auf Tournee war." Weiter verwies Winter auf die Engagements Gubelmanns in der Tonhalle und im Opernhaus sowie auf die Auftritte im Fernsehen als Vibraphonist. "Ich spiele derzeit in einigen Kleinformationen Schlagzeug, etwa demnächst im 'Moods' in Zürich. "Ich mag es, als Freischaffender tätig zu sein, denn ich will mich nicht kommerziellen Zwängen unterwerfen", so Gubelmann zu seinen momentan laufenden Projekten. Trotz vielfältiger musikalischer Tätigkeiten sei ihm das Malen nie aus dem Sinn gegangen, berichtete Gubelmann. "Ich suchte lange und fand einen Weg, meine zwei Leidenschaften zu verbinden – so entstanden die Rhythmusbilder." Fasziniert erlebten die Gäste im Stadtkeller daraufhin, wie das auf der Bühne ausgestellte Bild entstanden war. Gubelmann setze sich ans Schlagzeug, spielte zuerst langsam und dann immer schneller, liess einen Trommelwirbel folgen und erklärte dazu, wie er seine selbst erfundene Notenschrift auf dem ausgestellten Bild gemalt hatte.

Kurze Sprachlosigkeit im Stadtkeller

Man war auf diese Demonstration hin im Stadtkeller einigermassen sprachlos und staunte über die ausgeklügelte Vorgehensweise und die Ausdruckskraft des ausgestellten Bildes: Eine energiegeladene Umsetzung von Rhythmus in Bildsprache. "Sie sind ein Vertreter der so genannten 'Konkreten', die in der Stadt Zürich eine grosse Bedeutung haben", stellte Winter in der Folge fest. "Ich wende den goldenen Schnitt an; ich will Spannung und Harmonie zugleich in meine Werke bringen", erklärte Gubelmann und berichtete, dass er seine Bilder fast fertig im Kopf habe, bis er sie dann auf die Leinwand setze. Seine Arbeit an einem Bild nehme Tage bis Wochen in Anspruch, da alles von Hand gemalt werde. Zu seiner Freude gäbe es bereits Sammler, die sich auf Gubelmann-Bilder spezialisieren würden. Wie es gekommen sei, dass er neuerdings seine Arbeitsweise interessierten Leuten zeige, wollte Winter wissen. Gubelmann: "Es fragten mich so viele Leute, wie ich die Bilder male, ich musste alles so oft erklären, bis ich aus der Not eine Tugend machte und eine Art Einführung mit Beamer vorbereitete", merkte er schmunzelnd an.

Ein Museum in der 'Krone'?

Am Schluss des Gesprächs lag die Frage nach der Bedeutung von 'Kultur in Dietikon' in der Luft. "Wie soll sich das Kulturleben in Dietikon weiter entwickeln? Welche Ideen haben Sie?", fragte Winter. Gubelmann äusserte den Wunsch, dass man von den Stadtbehörden her den Kulturbegriff neu definiere und wies auf die neuen Projekte rund um die "Krone" hin. "Warum nicht hier ein Museum einrichten?", fragte er provokativ. Seine Vision von einem Dietiker Museum mit einem 'einzigen Bild' fand bei den Gästen Anklang. Rings um die Bar wurde nach dem Limmattalk angeregt weiterdiskutiert. Man hatte sich vom Dietiker Multitalent inspirieren lassen.

Text bearbeitet und gekürzt; RG

2007.09.25 - Limmattaler Zeitung LiZ - Helen Busslinger - René Gubelmann Performance im Parlamentssaal

Wenn Bilder tönen und Musik sichtbar wird

Inzwischen weiss man in Dietikon, dass René Gubelmann mehr kann als die meisten Maler und Musiker. Auf Einladung der Volkshochschule zeigte er erstmals, wie er bildhaft Groove und Beat des Rock, des Jazz, der lateinamerikanischen und afrikanischen Tänze entschlüsselt.

Herzschlag der Musik

Gubelmann erklärte im Dietiker Gemeinderatssaal, wie er zu seiner musikalischen Bildsprache gekommen ist - und zwar auf einfache und griffige Art, sodass man gebannt zuhörte. Bei den vorgeführten Kostproben erlebten die Gäste, wie Bilder tönen können – man spürte den Herzschlag der Musik. Dazwischen zählte Gubelmann einige Stationen seines künstlerischen Weges auf: Es ist ein Weg, der sich ständig verzweigt und immer wieder an andere Orte führt. Die Spuren, die Gubelmann legt, begannen mit seiner Ausbildung zum Schlagzeuger und zum Kunstmaler und führten zur Erfindung einer eigentlichen Bildsprache. Der Dietiker, der den 'Zürcher Konkreten' zuzuordnen ist, schuf immer wieder neue Rhythmik-Bilder und neuerdings auch Rhythmik-Plastiken. "Die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen", sagte Gubelmann und zeigte die neuesten Strich-Bilder, die auf unglaublich differenzierte Art dem Rhythmus und der Dynamik eines Musikstückes entsprechen. "Alle, die nicht hier waren, haben etwas verpasst", sagte Margrit Geiger von der Volkshochschule Dietikon.

Orchestrierte Bilder

Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Gubelmann auch zur Aufführung gekommene Orchesterwerke gemalt hat: Etwa das Bild 'Momentum' (William Kraft), das an der Hochschule für Musik in Zürich von einem Schlagzeugorchester aufgeführt worden ist und das Gubelmann den Gästen zeigte. Weitere Bildkompositionen Gubelmanns beziehen sich auf die Partituren der Werke 'Toccata' (Anders Koppel), 'Sisu' (T.I.Lundquist), 'Les Echanges' (Rolf Liebermann) und 'Strahlen ferner Sterne im gewölbten Raum' (Edison Denisow).

 

Zwischen den Informationen erfreuten Gubelmann und 'sein' Pianist Willy Bischof ihre Gäste mit ausgesuchten Werken aus Jazz und lateinamerikanischer Musik. Es war ein Vergnügen, dem Pianisten mit seinem glasklaren Spiel und dem Schlagzeuger zuzuhören. Als die Frage aufkam, ob Gubelmann Bilder sieht, wenn er Musik hört, lautete die Antwort: "Ja klar, Bilder in allen Regenbogenfarben. Jene ganz persönlichen Bilder, welche Musik in mir auslösen."

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2007.10.27 - Limmattaler Zeitung LiZ - Flavio Fuoli - Kulturpreis der Stadt Dietikon

Kulturpreis der Stadt Dietikon

Der Musiker und Maler René Gubelmann erhielt gestern den städtischen Kulturpreis zugesprochen. Er feierte kürzlich seinen Sechzigsten, blieb zeitlebens seinem Heimatort treu, ist nach wie vor ein unermüdlicher Schaffer und seit gestern Abend Träger des Dietiker Kulturpreises.

"Ich bin überwältigt – danke Dietikon!"

Damit hatte er wohl nicht gerechnet: Am Schluss der offiziellen Eröffnung seiner Ausstellung in den Reppisch-Hallen in Dietikon wurde René Gubelmann von Stadtpräsident Otto Müller nach vorne zitiert. Er sprach dem Jazzmusiker und konkretem Maler zuerst den Dank von Stadtrat und Bevölkerung für sein vielfältiges Schaffen aus. Damit nicht genug: Müller beschied vor den zahlreichen Gasten dem Künstler, der Stadtrat habe ihm den Kulturpreis der Stadt verliehen. Gubelmann reagierte sichtlich überrascht und gerührt: "Ich bin überwältigt – danke Dietikon!"

Ein unermüdlicher Schaffer

René Gubelmann, so Müller, habe sich die Ausstellung zu Ehren seines 60. Geburtstags, den er im September feierte, verdient. Er lobte nicht nur das unermüdliche Schaffen des Ur-Dietikers, sondern auch dessen Treue zur Heimatstadt. Mit seinem künstlerischen Schaffen habe er dazu beigetragen, den Namen der Stadt weit über die Grenzen hinaus zu tragen – und sei hier wohnhaft geblieben, obwohl er international tätig sei. Gubelmann ist der vierte Träger des mit 5000 Franken dotierten Preises. Die Anwesenden dankten dem Künstler mit einem sehr lange anhaltenden Applaus.

Eine Werkschau, keine Retrospektive

Gubelmann zeigt in den Reppisch-Hallen rund 100 Bilder und Skulpturen. Der Jazz-Schlagzeuger wurde mit seinen in Bildern umgesetzten Rhythmen bekannt. "Schlagzeuger und Maler, das ist eine vielversprechende Kombination", lotete die Kunsthistorikerin Nicole Seeberger von der Universität Zürich die Möglichkeiten des Dietikers aus. "Die äusserst variantenreiche Dynamik des Instruments drückt er in seinen Bildern aus." Trotz seiner fast 40-jährigen Tätigkeit als Berufsmusiker sei Gubelmann immer noch voller Kreativität. Die Schau sei denn auch keine Retrospektive, sondern eine Werkschau von Bildern, die er seit den 90er-Jahren weiterentwickelt habe. Seine Bilder seien Seh- und Hörerlebnis gleichermassen.

Ausstellung in den Reppisch-Hallen

Die Ausstellung an der Bergstrasse 23 dauert noch bis 25. November 2007.

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2010.09.12 - Limmattal Der Sonntag - Christian Murer - René Gubelmann zeigt im Atelier neue Werke

Künstler René Gubelmann zeigt in seinem Atelier in Dietikon rund fünfzig vorwiegend neue Werke

Am langen Tisch in René Gubelmanns hellem Atelier an der Vorstadtstrasse sitzt das Nachbarsmädchen Dalia vor einem weissen Blatt Papier. Sie verlangt Farbstifte von Gubelmanns Ehefrau Ruth. Eifrig kopiert sie ein Bild des ausstellenden Künstlers. "Seine Bilder gefallen mir richtig gut, weil sie so einfach und farbig sind", sagt die Zehnjährige. Dann beugt sie sich erneut über ihr Blatt und zeichnet im 'Gubelmann-Stil'. 

Inzwischen ist es halb sechs Uhr geworden. Immer mehr Besucherinnen und Besucher stehen vor den Bildern, Stelen und Würfeln, die da unter anderem heissen 'Akzente', 'Disco Cube', 'Dynamik', 'Quito' oder 'Rap'. Eine Gruppe Kinder bewundert in erster Linie die dreidimensionalen Werke, weil sie zum Greifen so nah sind. Mit ihren Eltern bestaunen sie die bunten Farben und Formen wie Rauten, Quadrate, Parallelogramme, Trapeze und Drachenvierecke. 

Mit klaren geometrischen Formen und mittels der verschiedenen Regenbogenfarben entschlüsselt der Künstler Groove und Beat des Rock, des Jazz, der lateinamerikanischen und afrikanischen Tänze und verleiht ihnen lautmalerisch Ausdruck und Gestalt. Das meisterhafte Verweben von Formen und Farben macht die strenge Grundordnung und Struktur der Musik sichtbar. "Einen Viervierteltakt stelle ich zum Beispiel mit vier Vierecken dar, die entsprechend der Hand, die den Trommelstab führt, nach rechts oder nach links schräg ausgerichtet sind", erklärt Gubelmann. So entstehen Bilder, die tönend schweigen, still atmen und lautlos mitreissen. "Diese schöpferischen Kunstsysteme sollen den Herzschlag der Musik symbolisieren und spiegeln - gleichermassen ihren Rhythmus", sagt der 63-Jährige. Im Atelier des Künstlers steht selbstverständlich auch das Schlagzeug. Es hat nach wie vor einen Platz in seinem Künstlerleben. Allerdings: "Mit zunehmendem Alter ist bei mir das Malen erneut in den Vordergrund gerückt", bekennt der Träger der Auszeichnung 'Limmattaler des Jahres 2007'. So seien, ausser den ganz grossen, die meisten ausgestellten Werke aus 'Acryl auf Leinwand' in diesem Jahr entstanden. 

Dieter und Irène Fett aus Dietikon sind von Gubelmanns Werken hell begeistert. "alles so farbig, frisch und fröhlich", freut sich der pensionierte Architekt. Und die Künstlerin Gaby Hübscher aus Dietikon meint: "Ich finde es faszinierend, was René Gubelmann macht. Ich könnte das nie, weil meine Bilder eher vom Bauch her entstehen. Doch ich geniesse seine farbenfrohe Kunst total." Da müsse man schon Mathematiker oder eben Musiker sein, um solche Bilder mit dem Kopf zu komponieren, ergänzt die Malerin. Und Hübscher weiter: "Ich habe einen Heidenrespekt von seinen Arbeiten, weil man es drehen und wenden kann, wie man will - es stimmt einfach immer alles."

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2012.05.20 - Limmattal Der Sonntag - Bettina Hamilton-Irvine - Sonntagsgespräch mit René Gubelmann

Herr Gubelmann, das Jahr 2007 war für Sie ein Jahr der Superlative: Sie bekamen den Dietiker Kulturpreis verliehen, haben das Big-Band-Festival lanciert und wurden zum Limmattaler des Jahres gewählt. Seither war Ihnen das Glück aber nicht immer so hold.

Ja, ich litt längere Zeit unter den Folgen einer Blutvergiftung und war mehrmals im Spital. Aber unterdessen habe ich es wieder im Griff.

Sie wirken auch wieder voller Energie.

Ja, im Moment habe ich wieder eine sehr gute Phase. Doch ich musste schwer kämpfen. Das Schlimmste war, dass ich gleichzeitig noch mit dem Rauchen aufgehört habe.

War das ein Krampf?

Es war nicht einfach, nach 40 Jahren als Raucher. Nach zwei Jahren leide ich immer noch, habe oft Lust auf eine Zigarette. Ich versuche mich abzulenken, zum Beispiel mit Gartenarbeit oder Musikmachen. Das Malen hingegen ist ganz gefährlich, weil ich früher dabei immer geraucht habe.

Mussten Sie durch die Krankheit auch eine künstlerische Schaffenspause einlegen?

Ich habe immer irgendetwas gemacht. Aber effektiv etwas Neues entwickeln konnte ich in jener Phase nicht. Das hat mir gewaltig gestunken, denn ich will ja nicht stehen bleiben. Ich muss immer wieder etwas Neues schaffen, sonst werde ich unruhig.

Sie haben sehr viel kreative Energie. Hat es Sie geärgert, dass Ihre Entwicklung eine Weile lang blockiert war?

Gelinde ausgedrückt hat es mich geärgert (lacht).

Man könnte auch sagen, es hat Sie wahnsinnig gemacht?

Ja, ja, (lacht). Im Nachhinein kann ich selber darüber lachen, aber es war wirklich eine schwierige Zeit.

Jetzt sind Sie aber wieder mit neuen Projekten beschäftigt. Soeben ist Ihre neue Ausstellung angelaufen.

Genau. Ich habe ganz kurzfristig die Chance bekommen, in der Zürcher Galerie a16 meine neuen Objekte auszustellen und musste die natürlich nutzen. Schliesslich ist das einer der besten Plätze in Zürich, drei Minuten vom Hauptbahnhof und umgeben von guten Galerien. Das ist sehr spannend für mich.

Was erwartet die Besucher in der neuen Ausstellung?

Ich stelle einen Teil meiner Objekte aus - hauptsächlich bemalte Würfel.

Die Würfel erinnern in ihrer Fröhlichkeit und Farbigkeit stark an Ihre Bilder.

Meine aktuellen Werke sind tatsächlich alle sehr farbig. Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen, da geschieht etwas.

Können Sie das zuordnen, woher die Farbigkeit kommt?

Ich habe einfach Lust darauf. Natürlich habe ich im Hinterkopf noch andere Ideen, die ich zurzeit hintenan stellen muss. Aber im Moment passt mir das Farbige und ich fühle mich gut dabei.

Sie haben sich vor allem durch Malerei und Musik einen Namen gemacht. Mit den Objekten begehen Sie Neuland.

Ja, die Objekte sind Teil einer Neuorientierungsphase. Als Schlagzeuger habe ich mich immer mit dem Fundament der Musik beschäftigt. Früher malte ich Musik-Bilder, bei denen es darum ging, Farbtöne in Musiktöne umzusetzen. Heute konzentriere ich mich auf Rhythmen und habe ein System dazu entwickelt. Die Objekte sind so farbig, weil ich mich hier nicht einschränken muss. Denn die Farbgebung ist meine Intuition, während die Formgebung anhand meines Systems gegeben ist. Doch hier zeichnet sich eine neue Dimension in meiner Kunst ab. Ich habe Bilder kreiert, die weder quadratisch noch rechteckig sind und eine andere Dynamik haben.

Die Objekte sind Teil einer Gesamtentwicklung, die Sie durchlaufen?

Genau.

Sie haben nicht bewusst danach gesucht, etwas Neues zu kreieren?

Nein, es hat sich einfach so ergeben.

Versuchen Sie bewusst, sich als Künstler immer wieder neu zu erfinden oder sind sie einfach neugierig?

Sie haben das richtige Wort gewählt: Ich bin sehr neugierig. Daher habe ich den optimalen Beruf. Wenn ich an ein neues Projekt herangehe, ist das Interessante daran die Frage: Gelingt es oder gelingt es nicht? Der Rest ist nur noch Geduldsarbeit. Das ist für mich dann eigentlich auch nicht mehr lustig, dann suche ich wieder nach etwas Neuem.

Sie sind immer wieder auf der Suche nach einem neuen Kick?

Genau. Damit hetze ich mich auch selber.

Sie haben in einem Interview einmal gesagt, der künstlerische Prozess sei für Sie oft ein Stress. Ist das kreative Schaffen für Sie kein Genuss?

Das würde ich nicht so sagen.

Was treibt Sie denn an?

Das weiss ich nicht (lacht). Wohl innere Unruhe.

Doch etwas daran muss Sie glücklich machen, sonst würden Sie es nach so langer Zeit nicht immer noch machen, oder?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin gar nicht unzufrieden damit. Ich habe viele Ideen, die ich realisieren will. Aber es läuft auch nicht immer alles so, wie ich es mir vorstelle.

Weil Sie ein Perfektionist sind?

Das bin ich auf jeden Fall. Das ist ohnmächtig (lacht). Ich mache mir das Leben selber schwer. Alle diese präzisen Linien in meinen Bildern und Objekten sind von Hand gemalt, in einem komplexen Verfahren. Ich kann nicht einfach schnell, schnell ein Bild malen.

Wissen Sie zu Beginn schon genau, wie ein fertiges Werk aussehen muss?

Ja. Wenn es nicht genau so wird, wie ich es mir vorgestellt habe, werfe ich es fort.

Sie sind streng mit sich.

Oder ich übermale es.

Die künstlerische Arbeit ist oft einsam. Arbeiten Sie gerne allein?

Ja, ich arbeite gerne allein. Ich würde zwar manchmal gerne mit einem Team arbeiten. Doch meine Ansprüche an die anderen sind so hoch, wie meine Ansprüche an mich selber.

Und das wollen Sie den Leuten nicht antun?

(lacht) Ich habe es auch schon versucht, aber mir geht dann alles zu wenig schnell. Wenn ich merke, etwas funktioniert, dann will ich es durchziehen.

Sie sagten einmal, Sie hätten keine Nerven für Strandferien. Können Sie sich irgendwie von dieser Unruhe erholen, die Sie antreibt?

Eben nicht. Ich musste vorgestern im Garten arbeiten und dachte mir: Eigentlich sollte mir das Spass machen, ich sollte es in Ruhe machen und geniessen können. Aber so ist es leider nicht. Obwohl ich jetzt bald 65 Jahre alt bin, habe ich das noch nicht gelernt.

Sie denken bereits wieder ans nächste Projekt?

Ja, ja. Ich sehe überall Arbeit.

Wie entscheiden Sie, welches Projekt Sie als nächstes angehen?

Ich dränge in die Richtung, in die ich mich bewegen will. Aber es kommt mir auch immer etwas dazwischen.

Hindert Sie der Gedanke, dass Sie mit Ihrer Kunst auch Geld machen müssen, manchmal?

Ja, in der Zeit, in der ich krank war, hat mich das blockiert. Als Freischaffender kommt dann kein Geld rein, zudem haben mich die Behandlungen einen Haufen Geld gekostet. Ohne feste Anstellung wir das schnell zum Problem.

Neben Ihrer Kunst sind Sie noch in einige andere Projekte involviert. Das Big-Band-Festival, welches Sie initiert haben, geht dieses Jahr in die 5. Runde. Enttäuscht es Sie, dass es nur noch an einem Tag stattfindet?

Die Stadt hat das Festival adaptiert, weil es eine Marktlücke war. Dafür bin ich dankbar. Doch natürlich haben wir unterschiedliche Arbeitsweisen. Ich denke, man hätte mit gleich viel oder weniger Geld auch noch etwas mehr aus dem Festival machen können. Aber die Stadt hat sich nun entschieden, das Festival zu verkürzen, um so auch den administrativen Aufwand auf ein Minimum reduzieren zu können.

Hätte man nicht noch etwas mehr Geduld gebraucht, bis sich das Festival auch an zwei Tagen etablieren konnte?

Sicher. Das hätte ich gerne gesehen.

Aber das Festival macht Ihnen noch Freude?

Ja, klar. Es ist mir vor allem ein grosses Anliegen, dass die Jungen eine Plattform bekommen. Denn der Wettbewerb ist für mich klar das Herzstück des Festivals. Das sieht auch Pepe Lienhard, der das Patronat hat, so. Es gibt sehr viele gute junge Jazzmusiker, die noch viel besser sind als wir damals waren.

Ist Big-Band Musik bei den Jungen heute noch ein Thema?

Bei gewissen auf jeden fall. Aber heute gibt es nicht mehr die Möglichkeiten, die wir früher hatten. Es gibt kaum noch Profibands. Ich hatte das Glück, dass ich in der DRS-Big-Band spielen konnte oder mit Hazy Osterwald. Doch diese Vorbilder sterben aus. Und die Jazzclubs gehen auch ein. Ich habe früher bei der Kulturkommission immer darauf gedrängt, dass wir in Dietikon etwas machen, zum Beispiel einmal in der Woche Jazz im Stadtkeller. Doch das hat nie geklappt.

Fehlt Ihnen das in Dietikon, mehr kulturelle Strukturen und Treffpunkte?

Ja, auf jeden Fall.

Was wünschen Sie sich zusätzlich an kulturellen Anlässen?

Dietikon müsste noch offener sein für neue Ideen. Wenn die Stadt etwas nicht will, dann will sie es nicht. Aber das ist, wie es ist, ich will mich darüber nicht mehr ärgern.

Müssen kulturelle Initiativen zwingend über die Stadt laufen?

Nicht unbedingt. Es gibt in Dietikon ganz gute Leute mit guten Ideen. Es gibt immer wieder interessante Projekte, aber es braucht Ressourcen und Energie sowie geeignete Räume. Der Plastiker Josef Staub und ich haben lange gekämpft wie die Löwen, haben eine Alternativorganisation zur Kulturkommission gegründet. Wir haben alles versucht und gemerkt, es wäre so viel machbar. Doch natürlich spielt auch immer das Geld eine wichtige Rolle und macht die Sache schwieriger.

Trotzdem sind Sie Dietikon immer treu geblieben.

Ja, klar. Ich hänge an Dietikon.

War Ihnen Dietikon nie zu klein?

(zögert) Nein. Am Ende kommt es nicht darauf an, wo man arbeitet. Klar kann es inspirierend sein, wenn man an einem Ort arbeitet, an dem man umgeben ist von anderen Künstlern. Aber ich arbeite sowieso allein und würde das nicht mehr ändern wollen.

Sie werden dieses Jahr 65 Jahre alt. Sie tragen sich aber offensichtlich nicht mit dem Gedanken, sich bald zur Ruhe zu setzen?

Absolut nicht. Ich habe auch noch nie von einem Künstler gehört, der pensioniert wurde (lacht).

Sie haben nicht die Absicht, einen Gang runterzuschalten?

In keiner Art und Weise. Ich habe noch ganz viele Ideen, die ich umsetzen möchte.

René Gubelmann (64) ist ein Ur-Dietiker: Er wohnt heute noch mit seiner Frau, Ruth Lustenberger, in der Stadt, in der er aufgewachsen ist. Er ist freischaffender Schlagzeuger und Maler. Zurzeit bemalt er jedoch vor allem Objekte und spielt wieder vermehrt Vibraphon, zum Beispiel an Firmenanlässen und Events. René Gubelmann wurde im Jahr 2007 von der Stadt Dietikon mit dem Kulturpreis ausgezeichnet und im selben Jahr von den Lesern der az Limmattaler Zeitung zum 'Limmattaler des Jahres' gewählt. Er ist zudem Initiator des Big-Band-Festivals Dietikon.

Text bearbeitet und gekürzt; RG

2012.05.21 - az Limmattal - Florian Schmitz - Die Visualisierung musikalischer Rhythmen

Musik und Malerei

sind zwei Künste, die oft Hand in Hand gehen, aber sich nur schwer zu einer wahrhaften Symbiose vereinen lassen. Einer, der seinen eigenen Weg ging, um dieses Ziel zu erreichen, ist der Dietiker René Gubelmann. Der passionierte Maler und Musiker experimentierte lange, bis es ihm gelang, ein System zu entwickeln, um die Rhythmen des Schlagzeugs visuell auf die Leinwand zu übertragen. Am Samstag wurde die Ausstellung seiner neuen Werke in der Galerie a16 von Kunstsammler Pietro Schmeh eröffnet. Der Ur-Dietiker René Gubelmann wurde 1947 geboren und entwickelte schnell ein ausgeprägtes Interesse für Musik und bildende Kunst. So liess er sich gleichzeitig an der Kunstgewerbeschule in Zürich in Malerei und am Konservatorum in klassischem Schlagzeug ausbilden.

Ein langer Prozess

Nach mehreren Jahren als Schlagzeuger im Orchester von Radio Budapest spielte René Gubelmann eine Dekade lang bei der inzwischen aufgelösten Radio DRS Big Band und wandte sich wieder stärker der Malerei zu. Doch sein Hauptfokus lag auf der Fusion seiner beiden Leidenschaften. "Ich habe immer nach einer Verbindung der Malerei zur Musik gesucht, aber es war ein langer Prozess", stellt er rückblickend fest. Anfänglich experimentierte er mit der Umsetzung von Farb- in Musiktöne, doch die interessante Theorie stellte sich für ihn in der Praxis als wenig tauglich heraus und schränkte ihn bei der Farbgebung seiner Bilder zu stark ein. In der Folge wandte er sich von Melodien ab und beschäftigte sich stärker mit dem Rhythmus der Musik - was ihm als Schlagzeuger sowieso näher lag. Inspiriert von der Arbeit der konkreten Künstler ging er vom Rechteck als Basisform aus. Er wies jedem Notenwert ein jeweils schräg zur Seite gerichtetes Parallelogramm zu, auf das der Trommelschlag erfolgt. Seit fast 20 Jahren malt René Gubelmann nun mit diesem System rhythmisch bespielbare Gemälde und findet immer wieder neue spannende Herausforderungen. In vielen seiner neueren Bilder verschmelzen die einzelnen Rechtecke aufgrund der Geschwindigkeit der Rhythmen zu zusammenhängenden Linien. Vor kurzem hat er zudem dank dem Vibraphon wieder angefangen, Melodien in seine Kunstwerke fliessen zu lassen.

Lohnende Zusammenarbeit

Die gemütliche Atmosphäre in der Galerie a16 und die sehenswerte Kollektion von Galerist Pietro Schmeh trugen ihr Übriges zum Erfolg der Vernissage bei. Bereits am frühen Nachmittag schlenderten viele Besucher durch die Galerie und erfreuten sich an den ausgestellten Werken und den exotischen Leckereien. Für René Gubelmann und Pietro Schmeh hat sich die Zusammenarbeit auf jeden Fall gelohnt.

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2015.11.27 - Limmattalerzeitung - David Hunziker - "René Gubelmann ist nur so konkret wie nötig"

Das Konkrete

René Gubelmann legt den Malstock über die Leinwand, setzt den Pinsel an und fährt einer präzisen Linie entlang. «Man sieht, dass das Bild von Hand gemalt wurde, aber so soll es auch sein», sagt er. Im Leben des Dietiker Künstlers dreht sich alles um Präzision. Kein Wunder also, dass er sich um die Jahrtausendwende der konkreten oder, wie sie auch genannt wird, konstruktiven Kunst zugewandt hat. «Konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von harmonischem Mass und Gesetz», schrieb der bedeutende Zürcher Künstler Max Bill einmal. Die Idee: Auf der Leinwand sollen Farben und Formen keine Objekte dieser Welt abbilden, sondern für sich selbst stehen. Alles Sinnliche, Natürliche soll aus der Kunst verschwinden.

Das Sinnliche

Bei aller Präzision: So genau nimmt es Gubelmann dann doch nicht mit den Dogmen der konkreten Kunst. «Darum mögen mich viele Konkrete auch nicht», schmunzelt er. Wenn man es genau nimmt, sind seine Bilder sogar äusserst sinnlich. Die vielen farbigen Parallelogramme, die meist in Reih und Glied über Gubelmanns Bilder tanzen, stellen nämlich einzelne Schlagzeugbeats eines Musikstücks dar. Manchmal bilden sie eine Serie von Takten, manchmal nur einen Ausschnitt aus einem längeren Beat. Diese Beats liegen Gubelmann im Blut. Während seines Studiums an der Kunstgewerbeschule in Zürich studierte Gubelmann gleichzeitig auch klassisches Schlagzeug am Konservatorium. Seit vielen Jahren ist seine Faszination für Rhythmen eine unstillbare Quelle der Inspiration und bildet die Basis fast all seiner Werke. Bei deren Umsetzung ist Gubelmann ganz Systematiker.

Das System

Normalerweise steht sein Schlagzeug mitten in seinem Atelier. Doch dieser Tage herrscht an der Vorstadtstrasse 29 Ausnahmezustand. Bald öffnet Gubelmann seit längerer Zeit wieder einmal für drei Tage sein Atelier für Besucher. «Ich weiss nicht, ob ich rechtzeitig fertig werde», sagt er und zeigt auf ein hochformatiges Bild, auf dem kleine Zettelchen mit Notizen kleben. Die Zettelchen markieren unfertige Stellen. «Die Fertigstellung dieses Bildes wird wohl noch einen ganzen Tag in Anspruch nehmen», so die Einschätzung des Künstlers.
Wenn das Schlagzeug im Atelier steht, bildet es den Ausgangspunkt von Gubelmanns Arbeitsprozess. «Ich spiele, suche nach einem Beat der mir gefällt und setze ihn grafisch um», beschreibt er sein Vorgehen. Das Grundsystem ist dabei immer das gleiche: Schläge mit der rechten und der linken Hand stellt er mit unterschiedlich ausgerichteten Parallelogrammen dar. Deren Breite entspricht der Länge des Tons. Für Triolen gibt es eine eigene Form. Mithilfe eines Rasters überträgt der Künstler die geometrischen Formen auf die Leinwand. Unabhängig vom zugrundeliegenden Rhythmus entwirft Gubelmann auf der Basis der zwölf Farben des Farbkreises ein harmonisches Farbkonzept und füllt die vorgezeichneten Formen der Reihe nach aus. «Ich arbeite immer von hell nach dunkel, dann kann ich allfällige Mängel noch korrigieren.» Jede Fläche erhält mindestens vier Anstriche. An einem Bild arbeitet Gubelmann etwa einen Monat.

Der Künstler als Bastler

In einem Raum seines Ateliers hat sich Gubelmann eine kleine Werkstatt eingerichtet. Hier fertigt er Objekte aus federleichtem Balsaholz, zimmert Bilderrahmen und macht Objekte mit speziellen Lacken licht- und wetterfest. «Als Künstler bin ich auch Bastler und Erfinder», sagt er. Dass Gubelmann Handwerk höher gewichtet als abgehobene Inspiration, passt zu seinem Arbeitsethos. Grundsätzlich arbeitet er jeden Tag: «Freitage und Feierabend kenne ich eigentlich nicht.» Um halb acht Uhr morgens beginnt er zu malen, macht eine kurze Pause über Mittag und eine längere für ein ausgedehntes Abendessen mit seiner Frau. Danach setzt er sich oft bis spätabends erneut hinter die Leinwand. Manchmal läuft dann im Hintergrund leise die Sendung «10 vor 10» oder Radio Swiss Jazz.

Text: David Hunziker; bearbeitet und gekürzt: RG